Security Monitoring
Wirkliche Sicherheit entsteht erst durch die Kombination präventiver
Sicherheitsmaßnahmen mit gezielter Überwachung und geeigneter
Reaktion im Ernstfall. Gerade im Bereich Überwachung – dem Security
Monitoring – müssen viele Unternehmen mit Blick auf Qualität und
Effizienz einiges nachholen, um ein ausreichendes Leistungsniveau zu
erreichen und den sich aus einer effizienten Überwachung potentiellen
Nutzen für sich realisieren zu können. Leider wird die Notwendigkeit
zur Einrichtung des Security Monitorings aber oft erst dann erkannt,
wenn regulative Zwänge entstanden sind oder wenn, im schlimmsten Falle,
bereits konkrete Sicherheits-‚Ernstfälle’ aufgetreten sind, zu deren
Klärung des Ablaufs und der Ursachen Systemaufzeichnungen herangezogen
werden müssen. Dabei könnten viele Sicherheitsvorfälle bereits im
Vorfeld vermieden werden, hätte man entsprechende Hinweise vorher ernst
genommen und in einen rechtzeitigen Alarm umgewandelt.
Unternehmen sollten bei jedem Sicherheitsvorfall immer genau
prüfen, warum die ITSecurity ihn nicht verhindert hat – und diesen
Überlegungen können Sicherheitsverantwortliche am besten durch den
fundierten Nachweis darüber begegnen, dass die Schutzmassnahmen
zielgerecht eingesetzt und ständig verbessert wurden. Echtes „Security
Monitoring“ bedeutet also mehr als die Demonstration des bloßen
Vorhandenseins üblicher Schutzmaßnahmen und die Vorgabe, regelmäßig die
Log-Daten anzuschauen. Wirklich fachgerechtes Security Monitoring
sollte verlässliche Informationen in der Weise liefern, dass auf ihrer
Basis nicht nur künftige Sicherheitsvorfällen rechtzeitig verhindert,
sondern auch aussagekräftige Kennzahlen formiert werden können. Anhand
dieser lassen sich die Schutzmassnahmen im Unternehmen kontinuierlich
und nachhaltig optimieren.
Best Practise im Security Monitoring
Was muss also für ein fachgerechtes Security Monitoring noch konkreter
als üblicherweise beschrieben werden, damit ein solch umfassender
Schutz erreicht werden kann? Grundsätzlich sollten Unternehmen in allen
Bereichen, die das Security Monitoring berührt, auf bewährte und
effiziente Verfahren zur Umsetzung setzen.
Im Einzelnen besteht die Best Practise im Security Monitoring aus folgenden Bereichen:
-
aus dem Log-Management für den zuverlässigen und wirkungsvollen Umgang mit den Systemaufzeichnungen im Unternehmen,
-
aus nachgewiesenen Sicherheits-Kennzahlen, auf deren Basis die
Schutzmaßnahmen für die Sicherheit des Unternehmens konzipiert und
ständig angepasst werden sowie
-
aus der Alarmierung, die schon bei ersten Hinweisen auf
Sicherheitsvorfälle ‚anschlägt’ und erste geeignete
De-Eskalationsmaßnahmen automatisiert einleitet.
Logmanagement
Mit einem
effizienten Log-Management stellen Unternehmen sicher, dass die – z.B.
oft bereits schon regulativ vorgeschriebenen - notwendigen
Systemaufzeichnungen vorhanden und verwendbar sind. Eine der zentralen
Forderung gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsanforderungen ist
hierbei, dass alle Log-Daten unverändert vorliegen müssen. Solange ein
hochprivilegierter Zugriff auf die Logdaten möglich ist, kann dieser
Anforderung nur mit einem sehr hohen Aufwand entsprochen werden. Eine
einfache und kostengünstige Maßnahme besteht darin, dass Unternehmen
diese Daten möglichst schnell („in Echtzeit“) auf ein getrenntes
System, einen sogenannte „Log-host“ kopieren. Auf dem Log-host kann
zusätzlich nicht nur der Eingang der Log-Daten regelmäßig kontrolliert
werden, sondern auch alle Änderungen an der Log-Konfiguration. Darüber
hinaus wird auf beiden Systemem auch jeder Zugriff auf die Log-Daten
genauestens protokolliert. Bei der Archivierung der Log-Daten muss
zusätzlich sichergestellt werden, dass sie auch nach einem „Retrieval“
wieder verwendbar sind. Deshalb sollte die ordnungsgemäße Archivierung
der Log-Daten einfacherweise ebenfalls getrennt mittels eines Log-host
erfolgen.
Sicherheitskennzahlen und Richtlinienkontrolle
Die Richtlinienkontrolle sowie die Überwachung der wichtigsten
technischen Schutzmaßnahmen spielen eine wesentliche Rolle für das
Security Monitoring. Im folgenden werden beispielhaft einige
Möglichkeiten zur Überwachung genannt:
-
der Einsatz von Firewalls in Bezug auf ihre Effektivität und Komplexität ihre zugrunde liegenden Regelwerke
-
die Abdeckung durch einen mehrstufigen Virenschutz mit Blick auf dessen Wirksamkeit und Aktualität
-
die Konfigurationsüberwachung aller Systeme sowie die Einhaltung sicherheitskritischer Korrekturzeiten
-
die Überwachung von Ausnahmeregelungen sowie Richtlinienverstößen bei Clients und Usern
-
die Anzahl von „Eil-Change“-Anträgen
-
die Überwachung anonymer Admin- und Service-Accounts sowie von Accounts für Entwickler oder Fremdfirmen
-
die Konsistenz aller Benutzergruppen sowie der Directories.
Die richtige Sicherheitsalarmierung
Ein effizientes Security Monitoring muss immer auch eine rechtzeitige
Alarmierung bei Hinweisen auf mögliche Sicherheitsvorfälle integrieren.
Solche Hinweise können u.a. sein:
-
Auffälligkeiten beim Verbindungsaufbau von innen nach außen
-
Bestimmte Angriffsmuster in Systemen der Netzwerk-DMZ ("Demilitarized
Zone"), besonders wenn andere auffällige Aktivitäten vorausgegangen
sind (z. B. Port- oder Application-Scans) oder folgen (z. B. Anomalien
bei SQL-Abfragen)
-
Unautorisierte Scan-Aktivitäten bzw. wurmähnliches Verhalten oder Hinweise auf Malware
-
Viren in ausgehenden Mails oder nach Anschluss eines (USB-)Devices
-
Login-Fehler mit anschließendem erfolgreichen Login und Datentransfer
-
Zugriffsversuche von einem System mit Fremdfirmen-Zugang
-
Nicht angemeldete Änderungen an Berechtigungs-Systemen
-
Ungewöhnliche Admin-Zugriffe auf Mailboxen, Anwendungen und Datenbanken
Umsetzung der Best Practise
Um ein wirkungsvolles Security Monitoring im Unternehmen zu
implementieren, bedarf es der vollen Unterstützung aller Beteiligten,
vor allem des Managements. Aus Gründen der Datenverwendbarkeit gilt für
das Security Monitoring besonders die Einhaltung des Prinzips der
Pflichtentrennung („Separation of Duties“) und es muss einer
laufenden Priorisierung und Vervollständigung der Überwachung
unterzogen werden. Auftretende Alarmierungen sollten auf ein sinnvoll
zu bewältigendes Ausmaß reduziert werden, was aber nicht heißt, Alarme
einfach auszufiltern, sondern durch bestimmte Zusatzbedingungen nur
die tatsächlich dringenden Fälle herauszuarbeiten. Ganz grundsätzlich
müssen Unternehmen alle Einrichtungen für das geordnete Erzeugen, die
überwachte Konsolidierung, die korrekte Analyse sowie die Archivierung
regelmäßigen Tests und Reviews unterziehen, und das gilt vor allem für
die Mechanismen zur Selbstüberprüfung der Integrität des Security
Monitorings und seiner gesamten Daten.
Nach heutigem Standard ist ein effizientes Security Monitoring
ohne die Unterstützung geeigneter technischer Systeme nicht zweckmäßig
umsetzbar. Solche Systeme automatisieren zuverlässig und weitgehend
etwa sowohl das Log-Management als auch die notwendigen Auswertungen
und Alarmierungen. Die Anschaffungskosten für geeignete Systeme sind
mittlerweile auch durchaus verträglich geworden. Alternativ können sich
Unternehmen natürlich auch für einen Managed Security-Service
entscheiden, der nachweisbar eine tiefe Analyse der
Systemaufzeichnungen durchführt. Dieser Service überlässt die letzte
Bewertung dann Spezialisten, die nur bei wirklich wichtigen
Sicherheitsvorfällen dringende Gegenmaßnahmen einleiten.
Bei einem konzeptionell sauberen Vorgehen wird der Aufwand für den
Aufbau eines fachgerechten Security Monitorings immer in ein
vernünftiges Verhältnis zum Nutzen gebracht. Unternehmen sollten sich
vor Augen führen, dass die versteckten Kosten durch fehlende
Transparenz in Sicherheitsdingen normalerweise wesentlich höher sind
und eine fehlende und unzuverlässige Überwachung den gesamten Aufwand,
den ein Unternehmen für präventive Schutzmaßnahmen treibt, in Frage
stellen kann.